Aus dem Programm Aktive Zentren wird Lebendige Zentren und Quartiere
Mit dem Förderprogramm Aktive Zentren unterstützten der Bund und das Land Berlin in den vergangenen Jahren die Bezirke städtische Zentren zu stärken. Im Fokus standen dabei Geschäftsstraßen, die mit einem bunten Mix privater Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote sowie öffentlicher Einrichtungen wichtige Identifikationsorte für die umliegenden Wohnquartiere bilden. So auch das Gebiet der Residenzstraße.
Im Jahr 2020 wurde die Städtebauförderung bundesweit neu strukturiert. Aus dem Programm "Aktive Zentren" wurde "Lebendige Zentren" (in Berlin „Lebendige Zentren und Quartiere“). Das Städtebauförderprogramm Lebendige Zentren und Quartiere vereint nun die Zielsetzungen der bisherigen Programme Aktive Zentren sowie Städtebaulicher Denkmalschutz, mit dem Ziel attraktive und identitätsstiftende Orte zu stärken und weiter zu entwickeln.
Berlin ist Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstadt, ist Wohn- und Identifikationsort, verfügt jedoch ebenso über vielfältige, meist historisch gewachsene Stadtstrukturen und Stadträume. Die Herausforderungen liegen auf der Hand: Die Vielfalt der Funktionen soll gestärkt, historische und erhaltenswerte Bausubstanz entwickelt und der öffentliche Raum zu einem lebendigen und attraktiven sowie kulturellen Ort für das Miteinander im Quartier entwickelt werden.
Das Förderprogramm Lebendige Zentren und Quartiere greift dies auf. In den Programmgebieten erhalten insbesondere folgende Maßnahmen und Aktivitäten Unterstützung:
- Modernisierung / Sanierung von Leuchtturmprojekten im Gebiet
- Erneuerung und Ausbau der Kultur- und Bildungsinfrastruktur
- Maßnahmen zur Aufwertung und Neugestaltung des öffentlichen Raumes
Die Anforderungen des fortschreitenden Klimawandels sind hierbei zu berücksichtigen, die Realisierung entsprechender Schutz- und Anpassungsmaßnahmen sind Fördervoraussetzung.
Besonderer Wert wird nach wie vor auch auf Kooperationsprojekte gelegt, bei denen private Eigentümerinnen und Eigentümer mit einer Förderung von bis zu 50 Prozent kleine bauliche Maßnahmen und Aktionen durchführen können. Ebenso sind Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und zur Verbesserung des Standortimages förderfähig.
Die wesentlichen Ziele des Programms Lebendige Zentren und Quartiere lauten:
- Aktive und identitätsstiftende Zentren und Quartiere entwickeln
- Baukulturelles Erbe revitalisieren, Baukultur und Gestaltqualität fördern
- Öffentlichen Raum qualifizieren und städtische Mobilität verbessern
- Stadtkultur und soziale Integration fördern
- Klimaschutz und Klimaadaption stärken
- Strategisch und kooperativ planen und handeln
Hier finden Sie weitergehende Informationen zum Förderprogramm Lebendige Zentren und Quartiere:
Link (Land): https://www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau/foerderprogramme/lebendige_zentren/
Link (Bund): https://www.staedtebaufoerderung.info/StBauF/DE/Programm/AktiveStadtUndOrtsteilzentren/aktive_stadt_und_ortsteilzentren_node.html
Residenzstraße – das Fördergebiet
Die Residenzstraße ist die traditionelle Geschäftsstraße in Reinickendorf Ost mit einer bunten Vielfalt aus unterschiedlichen, privatwirtschaftlichen Einzelhandels- und Dienstleistungsangeboten sowie öffentlichen Einrichtungen. Zu ihren Standortqualitäten gehören die vielfältige Baustruktur, die Nähe zur Berliner Innenstadt, eine gute ÖPNV-Anbindung sowie wohnungsnahe, denkmalgeschützte Grünflächen.
Allerdings führt, wie auch bei anderen Geschäftsstraßen in Berlin, unter anderem der Strukturwandel im Einzelhandel zu einem Abwärtstrend. Hohe Fluktuation, Leerstand, wenig Branchenmix und ein negatives Standortimage sind mögliche Folgen. Darüber hinaus stellt das teilweise konkurrierende Miteinander von Anlieger-, Durchgangs-, Rad- und Fußgängerverkehr für die Residenzstraße eine große Herausforderung dar.
Mit der Aufnahme der Residenzstraße in das Bund-Länder-Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ (seit 2020 „Lebendige Zentren und Quartiere") im Juli 2015 wurde der Grundstein zur Aufwertung der Geschäftsstraße zu einer attraktiveren Einkaufsstraße gelegt. Das übergeordnete Ziel hierbei ist, das Stadtteilzentrum Residenzstraße zu einem attraktiven und funktionsfähigen Standort für Einzelhandel, Freizeit, Bildung und Kultur aufzuwerten. Mit Mitteln des Förderprogramms sollen bis 2025 sowohl bauliche als auch imageverbessernde Maßnahmen finanziert werden.
Das Fördergebiet erstreckt sich entlang der Residenzstraße zwischen Kolpingplatz im Norden und Franz-Neumann-Platz im Süden. In westlicher und östlicher Ausdehnung schließen sich Wohnquartiere an. Das Gebiet umfasst außerdem die denkmalgeschützten Grün- und Freiflächen Klemkepark, am Breitkopfbecken und am Schäfersee, die wichtige Naherholungsorte für die Anwohnerinnen und Anwohner darstellen. Darüber hinaus sind das UNESCO-Weltkulturerbe der Weißen Stadt und der Dorfanger Alt-Reinickendorf als Sehenswürdigkeiten im näheren Umfeld erwähnenswert.
LZ Residenzstraße | Bezirk Reinickendorf | Berlin | |
Kinder (unter 6 Jahren) | 6,2 % | 5,7 % | 5,8 % |
Personen im Alter von 65 Jahren oder mehr | 17,7 % | 23,1 % | 18,9 % |
Ausländerinnen und Ausländer | 30,0 % | 21,4 % | 23,4 % |
Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund | 50,4 % | 38,1 % | 38,6 % |
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Stand 31.12.2022
Seit Anfang des Jahres 2019 ist ein großer Teil des Fördergebiets des Aktiven Zentrums Residenzstraße Teil des Geltungsbereichs des sog. "Milieuschutzgebietes" "Letteplatz".
Gemäß § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 des Baugesetzbuches (BauGB) soll mit der sozialen Erhaltungsverordnung, die auch als „Milieuschutzverordnung“ bezeichnet wird, die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung erhalten und die weitere Verdrängung der bereits gebietsansässigen Wohnbevölkerung verhindert werden, um negative städtebauliche Auswirkungen zu vermeiden.
Wohnen Sie im sozialen Erhaltungsgebiet Letteplatz, können Sie die kostenlose Mieterberatung aufsuchen, wenn Ihr Vermieter z.B. baut modernisiert oder umwandelt. Immer donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr im Büro des QM Letteplatz, Mickestr. 14.
Im Geltungsbereich der Erhaltungsverordnung bedürfen Vorhaben der gesonderten Genehmigung durch das Bezirksamt. Dies betrifft insbesondere umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen an Wohngebäuden. Die Prüfung und Entscheidung über Maßnahmen erfolgt nach den vom Bezirksamt Reinickendorf beschlossenen Genehmigungskriterien. Sogenannte „Luxusmodernisierungen“, aber auch andere Vorhaben, die die Mieten stark in die Höhe treiben, können versagt werden. Ebenfalls untersagt werden können Maßnahmen, die zu einem Verlust von Wohnraum führen würden, wie der Abriss oder die Zusammenlegung von Wohnungen oder die Nutzungsänderung von Wohnen zu Gewerbe oder zu Ferienwohnungen.
Darüber hinaus besteht ein Genehmigungsvorbehalt für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sowie ein bezirkliches Vorkaufsrecht beim Verkauf eines Grundstückes.
Weitere Informationen, die genaue Abgrenzung des Gebiets und die detaillierten Genehmigungskriterien finden Sie hier.
Seit 2009 gibt es nun schon das Quartiersmanagement (QM) am Letteplatz. Das Gebiet des QMs erstreckt sich von der Mittelbruchzeile zum Ritterlandweg und vom Schäfersee zur Provinzstraße. Somit überschneiden sich auch größere Bereiche dieses Gebiets mit dem Fördergebiet des Aktiven Zentrums Residenzstraße.
Gemeinsam mit allen Interessierten entwickelt das QM Strategien für die Entwicklung der Nachbarschaft. Darauf aufbauend werden Projekte und Aktionen organisiert, um die Lebensverhältnisse zu verbessern und Bildungschancen zu erhöhen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des QMs Letteplatz.